Öffentliche Anhörung zum Thema Übertourismus im Deutschen Bundestag

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Am Mittwoch, den 25. März 2026, veranstaltete der Ausschuss für Tourismus im Paul-Löbe-Haus in Berlin eine öffentliche Anhörung zum Thema „Tourismus zwischen Akzeptanz und Überlastung weltweit und in Deutschland“. Die Problematik des Übertourismus war ein zentrales Thema, das zunehmend auch in deutschen Städten und Regionen an Bedeutung gewinnt.

Prof. Dr. Stefan Gössling von der School of Business and Economics erklärte, dass der globale Tourismus im Jahr 2019 einen Höhepunkt erreicht habe, gefolgt von einem Rückgang während der Corona-Pandemie. Im Jahr 2025 seien jedoch 1,52 Milliarden internationale Ankünfte verzeichnet worden, was die Zahlen von 2019 übertreffe. Übertourismus, ein wachsendes weltweites Problem, betreffe vor allem stark frequentierte touristische Destinationen.

Besonders betroffen sind laut Gössling Städte wie Venedig, Barcelona und Amsterdam, wo die hohen Besucherzahlen erhebliche Belastungen für die Infrastruktur und die lokale Bevölkerung mit sich bringen. In Deutschland zeigen sich ähnliche Symptome, insbesondere in Städten mit hoher touristischer Anziehungskraft wie Rothenburg ob der Tauber, Heidelberg und bestimmten Teilen Berlins. Auch touristische Gebiete wie die Zugspitze oder die Sächsische Schweiz sind von hohen Besucherzahlen betroffen.

Die bisherigen Maßnahmen zur Steuerung des Übertourismus, wie Eintrittsgelder oder Einschränkungen in Bezug auf Unterkünfte, wurden als begrenzt wirksam eingeschätzt. Effektivere Ansätze könnten die Regulierung von Kapazitäten oder die Limitierung von Bettenzahlen sein.

Frank Ketter, Geschäftsführer der Nordsee-Tourismus-Service GmbH, thematisierte die Probleme des Zweitwohnsitztourismus an der Nordsee. Diese Problematik sei seit Jahren bekannt und führe in Hochfrequenzstandorten zu einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum für Einheimische.

Die bisherigen kommunalen Regelungen reichten oft nicht aus, um die negativen Auswirkungen zu minimieren. Einigen Kommunen warf Ketter vor, dass gerade die Höhe der Steuersätze als Instrument zur Regulierung ineffektiv sei.

Norbert Kunz vom Deutschen Tourismusverband äußerte, dass es in Deutschland kein flächendeckendes Problem mit der Tourismusakzeptanz gebe, jedoch Herausforderungen in bestimmten Regionen auftauchen. Eine stabile Finanzierung der öffentlichen Tourismusstrukturen sei unerlässlich, um die Akzeptanz zu fördern.

In Bezug auf den Kreuzfahrttourismus betonte Georg Ehrmann von der Cruise Lines International Association die wirtschaftliche Bedeutung der Branche in Deutschland. Er berichtete von über 50.000 Arbeitsplätzen und einem Gesamtumsatz von rund 9,5 Milliarden Euro im Jahr 2024 und stellte klar, dass Kreuzfahrten nur einen kleinen Teil des Gesamt-tourismus ausmachten.

Abschließend forderte Prof. Dr. Andreas Kagermeier die Implementierung eines umfassenden Tourism-Governance-Konzepts, um soziale Spannungen und steigende Lebenshaltungskosten zu adressieren. Zudem sprach er sich für eine zügige Umsetzung des Kurzzeitvermietungs- und Datenaustausch-Gesetzes aus, um die Herausforderungen des Übertourismus besser bewältigen zu können.


Quelle: bundestag.de
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