Duisburg, Essen, Oberhausen, Mülheim a. d. Ruhr, Kreis Kleve, Kreis Wesel – Ein Hauptbeschuldigter in einem zwölf Jahre alten Ermittlungsverfahren des Hauptzollamts Duisburg ist nach einer zehnjährigen Flucht nun festgenommen worden. Er befindet sich in Untersuchungshaft.
Die Festnahme erfolgte im Juni 2026 am Flughafen Heathrow in London aufgrund eines europäischen Haftbefehls. Trotz einer Vornamensänderung des Beschuldigten in der Türkei war es den Ermittlungsbehörden gelungen, ihn zu fassen. Anschließend wurde er nach Deutschland überführt, wo die Ermittler der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) des Zolls ihn in Empfang nahmen.
In den ursprünglichen Ermittlungen wurde einer Bande vorgeworfen, über mehrere Jahre Firmen im Bau-, Gerüstbau- und Gebäudereinigungssektor mit Schein- und Abdeckrechnungen ausgestattet sowie Schwarzgeld über „Kick-Back-Zahlungen“ bereitgestellt zu haben. Den Verantwortlichen wird zudem vorgeworfen, durch diese Praktiken Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer und Sozialkassenbeiträge gespart zu haben. Schätzungen zufolge könnten mindestens 30 Millionen Euro durch die Bande geflossen sein.
Die Ermittlungsaktion, die als eine der umfangreichsten in der Geschichte der Finanzkontrolle gilt, umfasste bundesweite Durchsuchungsmaßnahmen mit rund 400 Einsatzkräften. Während dieser Einsätze wurden bei der Festnahme des Hauptbeschuldigten hohe Bargeldbeträge, gefälschte Pässe und eine Pistole mit zwei Magazinen sichergestellt. Auch bei weiteren Verdächtigen wurden illegale Waffen und Bargeld gefunden.
Nach zwei Monaten in Untersuchungshaft war der Haftbefehl 2016 unter Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, was den Hauptbeschuldigten jedoch nicht daran hinderte, erneut zu fliehen. Jetzt steht er vor der Hauptverhandlung am Landgericht Bochum.