Am Mittwoch, dem 22. April 2026, fand im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages ein öffentliches Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen (PBnEZ) statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Herausforderungen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Mobilität in Städten.
Die Expertinnen Andrea Amri-Henkel vom Institut für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme Saarbrücken und Professorin Anita Schöbel vom Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) betonten die Notwendigkeit einer Gesamtstrategie, um die Vielzahl erforderlicher einzelner Maßnahmen effektiv zu koordinieren.
Professorin Schöbel erläuterte, dass mathematische Modelle eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätskonzepte spielen könnten. Sie wies auf den Zielkonflikt hin, der zwischen den Aspekten Effizienz, Kosten und geringem Energieverbrauch besteht. Diese Ziele könnten sich nicht selten widersprechen, weshalb eine sorgfältige Analyse und Abwägung nötig sei.
Die Expertin stellte drei Ansätze vor, die neue Perspektiven für die nachhaltige Mobilität bieten. Zum ersten nannte sie die Reduzierung von Halten bei Straßenbahn- oder U-Bahnlinien, was Energieverbrauch und Reisezeit verringern kann. Das zweite Beispiel betraf die Verkehrsplanung, bei der durch gezielte Umgestaltungen von Einbahnstraßen der Durchgangsverkehr reduziert werden könne. Hierbei verwies sie auf ein erfolgreiches Projekt in Kaiserslautern. Drittens thematisierte sie den Anteil von Mikroplastik, das durch Reifenabrieb in die Umwelt gelangt, und sprach sich für neue Materialien und technische Optimierungen aus.
Andrea Amri-Henkel betonte die Wichtigkeit einer Mobilitätswende, die über den Klimaschutz hinausgeht. Sie stellte das Konzept „Avoid – Shift – Improve“ vor, das darauf abzielt, Verkehr zu vermeiden, auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu verlagern und technologische Verbesserungen zu fördern. Des Weiteren unterstrich sie, dass Mobilität sozial ungleich verteilt ist: Menschen mit geringem Einkommen und Eltern mit Care-Arbeit sind oft stärker auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und benötigen flexiblere Lösungen.
Insgesamt wurde deutlich, dass es für eine nachhaltige Mobilität ein ganzheitliches Konzept braucht, das ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele miteinander verbindet. Einzelmaßnahmen allein seien nicht ausreichend, entscheidend sei eine koordiniert Vorgehensweise.