Am 6. Mai 2026 fand im Berliner Paul-Löbe-Haus ein Fachgespräch der Kinderkommission statt, das sich mit der Identität ostdeutscher Kinder und Jugendlicher befasste. Unter dem Titel „Wie viel Osten steckt noch in den Kindern? – Generationenprägung, Identität und Zukunftschancen“ wurde deutlich, dass die Identität für Jugendliche, die in den neuen Bundesländern geboren wurden, auch mehr als 35 Jahre nach der Wiedervereinigung eine prägende Rolle spielt.
Die Teilnehmer des Fachgesprächs, darunter die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), betonten, dass die ostdeutsche Identität zwar Teil des Selbstverständnisses junger Menschen ist, dennoch viele regionale und soziale Aspekte dazu beitragen. Sie verwiesen darauf, dass ostdeutsches Leben häufig in den Medien negativ eingeschränkt dargestellt werde, und forderten, die spezifischen Erfahrungen ostdeutscher Kinder als gesamtgesellschaftlichen Wert anzuerkennen.
Kaiser stellte fest, dass die DDR-Sozialisation noch heute an nachfolgende Generationen weitergegeben wird. Trotz der erlangten Freiheiten nach der Wiedervereinigung bleiben strukturelle Benachteiligungen ein zentrales Thema, insbesondere hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage. Ostdeutsche Kinder und Jugendliche sehen sich oft mit schwierigen Rahmenbedingungen konfrontiert, die sich negativ auf ihren Bildungsweg auswirken.
Ein weiteres Thema war der Wegzug junger Menschen aus ländlichen Regionen, was zu einem Abbau lokaler Infrastrukturen führt. Um diese Herausforderungen anzugehen, wurden Maßnahmen wie der Mindestlohn und das Tariftreuegesetz hervorgehoben, die gezielt im Osten wirken sollen.
Die Initiative „K_einheit“ berichtete von ihren Bemühungen, die ostdeutsche Perspektive neu zu interpretieren und zu fördern. Lisa Trebs von der Initiative stellte fest, dass die junge Generation bewusster mit ihrer ostdeutschen Identität umgeht, und dass es notwendig sei, mehr Gehör für deren Sichtweisen zu finden.
Nora Zabel, Autorin des Buches „Vereint in Zerrissenheit“, wies auf die Herausforderungen hin, mit denen die ostdeutsche Jugend konfrontiert ist, und betonte die Notwendigkeit, Engagement und Selbstwertgefühl zu stärken. In ländlichen Regionen herrscht oft Frustration, und politische Entscheidungen werden vielfach als fremdbestimmt erlebt.
Die Experten riefen dazu auf, aktiv in ländliche Regionen zu gehen und die Herausforderungen von jungen Menschen ernst zu nehmen. Nur durch Partizipation und Unterstützung kann eine positive Entwicklung für die Zukunft der ostdeutschen Jugend sichergestellt werden.